Lebensraum Moor

Von Mooren, Moosen und Filzen

Die Moose und Filze im Ammertal und seiner Nachbarschaft verdanken wir der letzten Eiszeit, die vor etwa 10.000 Jahren zu Ende ging. Zur Zeit der stärksten Vereisung reichten die Gletscher bis über den Kolbensattel (also zur Bergstation des Schilifts!), und die Sohle des Graswangtales lag mehrere hundert Meter tiefer als heute.

Die talwärts kriechenden Gletscher schoben große Schuttmassen vor sich her und türmten sie zu großen Wällen auf, den Moränen. Als das Eis dahinschmolz, wichen die Gletscher zurück, und im Rückstau der Moränen bildeten sich zunächst ausgedehnte Seen. Im Laufe von Jahrhunderten wurden sie mit Gesteinsmaterial aus den Bergen aufgefüllt, sie verlandeten. Und damit entstanden die Moore.

Freilich - Moor ist nicht gleich Moor. Wir reden von Mooren, Moosen, Filzen und Sümpfen, von Hoch- und von Niedermoor. Aber es ist gar nicht so schwer, sich hier zurechtzufinden. Entscheidend ist der Wasserstand - und nicht etwa, ob ein Moor 'hoch' oder 'niedrig' in der Landschaft liegt.

Jedes Moor ist anfangs ein Niedermoor und beginnt damit, dass ein See verlandet - etwa weil er mit Geschiebe zugeschüttet wird wie im Graswangtal, oder weil er ausläuft wie bei Altenau, wo die Ammer den Moränenwall durchbrach.Der allmählich trocken fallende Flachwasserbereich wird von Schilf erobert. Steht das Wasser höher, so können sich auch Schwingrasen ausbilden, die vom Ufer her auf die Wasserfläche vorrücken. Diese schwimmenden Pflanzenkörper, anfangs etwa halbmeterdick, sind schon manchem zum Verhängnis geworden.

Einem Niedermoor steht das Wasser bis zum Hals: Das Grundwasser reicht bis in den Wurzelbereich seiner Pflanzendecke oder noch höher. Bäume vertragen diesen Überschuss von saurem, sauerstoffarmem Wasser nur schlecht, und deshalb wächst auf Niedermooren kaum Wald.

Bei ständig hohem Wasserstand wird das Bild von Schilf beherrscht. Im Alpenraum nennt man diese Moore 'Moose'. Beispiele dafür sind das Weidmoos im Graswangtal, das Pulvermoos zwischen Ober- und Unterammergau, oder das große Murnauer Moos.

In der Folge gedeihen in dieser nassen Umgebung die Torfmoose. Unten sterben sie ab, oben wachsen sie weiter, und so häuft sich im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden - Moore entwickeln sich sehr langsam! - viel abgestorbene Pflanzenmasse an. Daraus entsteht Torf.

Das Moor wölbt sich nun immer höher über seine Umgebung, bis letzten Endes der Kontakt zum Grundwasserhorizont abreißt. Damit ist aus dem Niedermoor ein Hochmoor geworden. Im Alpenraum nennt man es 'Filz'. Sein Charakteristikum ist der Bewuchs mit Latschen oder Spirken. Dabei handelt es sich um ein und dieselbe Baumart, die Berg- oder Latschenkiefer - einmal in buschförmiger Ausbildung, das andere Mal als kleiner Baum. Auch Birken und Kiefern können sich im Hochmoor ansiedeln. Beispiele für Hochmoore sind das Kochelfilz zwischen Unterammergau und Altenau oder das Gschwenderfilz bei Altenau.

Der kurze, schüttere Bewuchs auf den Niedermooren bietet dem Brachvogel ideale Bedingungen. An den wassergesättigten Schlenken findet die Bekassine alles, was sie braucht.

Der Wechsel von Wassertümpeln und niedriger Vegetation stellt ein Paradies dar für Libellen, Frösche und Reptilien. Werden Niedermoore entwässert und gedüngt, so wird der Bewuchs dichter und die Wassertümpel verschwinden - und damit auch Bekassine und Brachvogel.

Der Orchideenreichtum, für den die Moose berühmt sind, findet sich auch in den Filzen. Auf den sauren Böden kommen aber noch zahlreiche Beersträucher (Moosbeere, Preißelbeere, Rauschbeere) hinzu. Das sind wichtige Voraussetzungen für das Birkhuhn. Noch vor dreißig Jahren waren die 'bunten Ritter', wie die farbenprächtigen Hühnervögel manchmal genannt werden, in den Filzen und Moosen des Ammertals zu Hause. Inzwischen sind sie auch hier verschwunden.