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Bergwald
Etwa die Hälfte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen ist von Wald bedeckt. Er liefert Holz, schützt die Tallagen vor Lawinen, Muren und Steinschlag, puffert Hochwasserspitzen und sorgt durch die Filterwirkung seines Kronendaches und seines Bodens für hochwertiges Trinkwasser bis in die Landeshauptstadt. Ohne Wald wäre das Leben hier kaum vorstellbar.
Für die Einheimischen ist das alles eine Selbstverständlichkeit. Für die Feriengäste ist der Wald ein bereicherndes Element; denn sie kommen, um Natur zu erleben, und Wald ist nun mal die Verkörperung von intakter Natur, der Gebirgswald ganz besonders. Aber wie steht es um diesen Wald?
Schon in der Vergangenheit musste dieser Wald viel aushalten. Man hat ihn in Kahlschlägen abgetrieben und das Holz zu den Salinen verfrachtet, um Salz zu sieden, oder auf den Flüssen zu den holzhungrigen Städten geflößt.
Für die Beweidung wurden große Teile gerodet und zu Almen umgewandelt. Und jagdbegeisterte Adelige haben dem Wald eine Unzahl von Hirschen, Rehen und Gams zugemutet, die den Aufwuchs fraßen und die Jungbäume beschädigten. Noch bis vor etwa 30 Jahren lag sogar vielen Förstern die Jagd näher als der Wald, und der hatte es zu büßen.
Zu einer entscheidenden Wende kam es erst mit dem „Waldsterben“: Endlich wurde die Bedeutung des Waldes zum Politikum. Die Forstverwaltung schaltete von der Kahlschlagswirtschaft auf die naturgemäße Waldwirtschaft mit Naturverjüngung um, die waldschädlichen Wilddichten wurden reduziert, auf Wildzäune wurde verzichtet. Seitdem erholt sich der Wald von unten her: Die aufwachsenden Jungwälder sind artenreicher, vielfältiger und stabiler als ihre Mutterbestände.
Und das wird künftig überaus wichtig sein; denn die unausweichliche Klimaveränderung wird dem Wald enorm viel abverlangen. Einen Vorgeschmack davon konnten wir in den letzten Jahren erleben. Begünstigt von Sturmschäden und trockenen, heißen Sommern hat der Borkenkäfer große Lücken in das Waldkleid gerissen. Ein Ende dieser Plage ist nicht abzusehen – wer mit offenen Augen auf die grünen Hänge schaut, sieht reichlich abgestorbene, braune Baumgruppen.
Die Klimaforscher prophezeien uns überdies eine Zunahme schwerer Stürme – was das heißt, erkennt der Kundige heute noch: Wiebke vor 15 und Lothar vor fünf Jahren haben riesige Waldflächen kahl gelegt.
Aber nicht nur von den Veränderungen im Klima wird es abhängen, wie sich unser Bergwald in den Ammergauer Alpen weiterentwickelt. Auch die Handlungen der neu reformierten Forstverwaltung werden dabei ein Rolle spielen. Ein waches Auge der Gesellschaft auf das lebenserhaltende Ökosystem Wald wird immer wichtiger.


