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Schloss Linderhof – Eine Hommage an die Imagination
Geschichte: Am Anfang war … ein Häusl, das König Max II. bei der Jagd im Ammerwald aufgefallen war. Er ließ Friedrich Ziebland kommen, der schon Hohenschwangau umgebaut hatte. Das Häusl wurde vergrößert, sozusagen geadelt, und wurde 1869 zum Königshäuschen. Damals schon besuchte der Kronprinz, der spätere Ludwig II., seinen von der Jagd begeisterten Vater Max II. in Linderhof. Ludwig ließ dann Linderhof mit allen Finessen ausstatten. Der Hofarchitekt Dollmann baute um und an, eigentlich Stückwerk und doch ziemlich kühn.
Ende 1872 war die Residenz fertig. Ein Holzbau außen, im Inneren feinstes Rokoko und das Ganze zum Fabelpreis von fast 8,5 Mio. Gulden – gut 2 Millionen teurer als Neuschwanstein. 1874 unterschrieb Ludwig einen Erlass zur Versetzung des Königshäuschens, nur der dreiflüglige Anbau sollte stehen bleiben. So kam die heutige Form des zauberhaften Märchenschlosses zustande.
Die erlesenen Räume waren selbst für einen Monarchen höchst spektakulär möbliert und der König ließ allen Ernstes eine zahme Gämse im großen Südzimmer herumlaufen. Sie sah sich im Spiegel, dachte wohl es wäre eine ganze Gämsenherde unterwegs und sprang mitten in den Spiegel. Der Schaden war beträchtlich. Im Speisesaal steht das viel bewunderte „Tischleindeckdich“ und wenn der Monarch einsam speiste, blickte er auf das Portrait der schönen Madame Du Barry.
Nebengebäude und Garten: Der König hatte verwegene Ideen, auch für Linderhofs gesamte Parkanlage. Für die Grotte war modernste Technik gerade gut genug, 24 Dynamomaschinen von Siemens arbeiteten im Maschinenhaus und damit in einem der ersten bayerischen Elektrizitätswerke! Ein Regenbogen-Projektionsapparat zauberte Farbe auf die Wände.
Neben den Technikern hatten die Innenarchitekten zu tun: Korallenleuchter, Korallenstühle, ein Muschelthron, künstliche Stalaktiten und der Muschelkahn. Sogar das Lieblingspferd des Monarchen, das frei im Garten herumlief und die Rosen fraß, musste ab und zu neben seinem Herrn in der Grotte ausharren.
Linderhof ist voller Geschichten und ein Ort, an dem die Phantasie Flügel bekommt. Im Winter ist’s vielleicht sogar noch schöner, wenn Schnee das Rokokojuwel überzuckert und die Gartenanlagen einen ganz eigenen Charme entwickeln. Der Münchner Hofgartenarchitekt Carl von Effner war für den Landschaftsgarten zuständig und spielte mit allen Motiven des Rokoko: eine 25 Meter hohe Fontäne, die Kaskade, der Neptunbrunnen, die Terrassengärten verzaubern die Besucher.
Die Hundinghütte lag zu Ludwigs Zeiten weit im Ammergauer Wald, nahe der österreichischen Grenze. Sie wurde nach einem Bühnenmodell aus Wagners Walküre gebaut. Erst 1990 wurde sie an einem näher am Schloss gelegenen Platz wieder aufgebaut. Ludwig kaufte zudem den Maurischen Kiosk vom bankrotten Eisenbahnkönig Strousberg. Er wurde im Park des böhmischen Guts abgebaut, zerlegt, mit der Eisenbahn nach Weilheim transportiert und dann mit Pferdekutschen nach Linderhof gebracht. Ende 1877 stand er dann mitten im oberbayerischen Gebirge.
Und die Geschichte der bewegten Häuser geht weiter: Auch das marokkanische Haus kam von der Pariser Weltausstellung und wurde 1878 in Linderhof aufgebaut.

