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Pferdestärken – Leonhardifahrten

Leonhardiritt in Unterammergau
Bildbeschreibung: Leonhardiritt in Unterammergau

Der Leonhardiritt, eine Prozession zu Pferde, wird in Unterammergau jedes Jahr zu Ehren des Heiligen Leonhard von Limoges am letzten Oktoberwochenende abgehalten.

Dabei ist der Heilige Leonhard irrtümlich aufs Pferd gekommen. Er war eigentlich der Schutzpatron der Gefangenen. Versehentlich wurden die Ketten zu seinen Füßen für Viehketten gehalten, eigentlich waren es Ketten armer Gefangener.

Aber der gute Leonhard macht seitdem seinen Job prima und wer den Zauber wirklich erfassen will, der sollte unbedingt die Leonhardifahrt in Unterammergau anschauen. Wochen vorher planen die Organisatoren. Abend für Abend sitzen Mitglieder diverser Vereine zusammen und binden Girlanden aus Weißtanne, machen kunstvolle Gestecke und polieren Geschirre.

Am Samstag vor Leonhardi werden die Pferde gewaschen und ab vier Uhr in der Früh des Leonhardi Sonntags auf Hochglanz gebracht und geschmückt.

In einem langen Zug geht es von der Dorfmitte Unterammergaus zur Wallfahrtkirche Kappel, wo die Heilige Messe mit Pferdesegnung statt findet.


Zeitlicher Ablauf

09:00 Uhr Aufstellung am Kirchplatz und Dorfstrasse
09:45 Uhr Marsch in Begleitung von 4 Blaskapellen von der Kath. Pfarrkirche zur Kappl-Wallfahrtskirche
10:30 Uhr Heilige Messe mit Pferdesegnung
11:45 Uhr Ritt zurück ins Dorf
12:15 Uhr ein gemeinschaftliches Konzert der Blaskapellen statt. 


Geschichtlicher Hintergrund

Motiv für die Segnung der Tiere ist ihre Rolle, die sie als Last- und Arbeitstiere für die ländliche Bevölkerung spielen. Das Süddeutsche Kaltblutpferd war um 1955 „out“. Da setzte das große "Kalti"-Sterben ein und zwar im  grausamsten Sinn des Wortes. Meist in Viererkoppeln zusammengebunden wurden wagonweise die besten Pferde zum Schlachten gefahren.

Wunderbare Zuchtstuten und vielversprechende Hengste! In vergangen Tagen behielten nur einige wenige bäuerliche Züchter ihre Pferde. Aus Starrsinn und aus mangelnder Fortschrittsbegeisterung! Sie wurden verspottet, weil sie weiter mit Pferden ins familieneigene Holz fuhren, anstatt dem Lockruf von Deutz, Aicher und Fendt zu folgen.

Der Spott erstarb allerdings, als es um die bäuerlichen Festzüge ging. Maibaumtransport mit dem Traktor? Georgi- und Leonhardifahrten auf dem Bulldog, ja gar der Heilige Nikolaus für die Kinder womöglich im Cabrio?

Und auf einmal waren die Kaltblutleute, die Rosserer gefragt und in den 70er Jahren verstummten allmählich auch ganz verschämt die, die zum Ausstreben der Pferde gleich noch das Aussterben des Brauchtums prophezeit hatten. Leonhardi-Fahrten wurden zum Publikumsmagneten - wunderschön anzusehen!


Weiterführende Infos finden Sie unter den folgenden Punkten:



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