Die Wetzsteinmacher in Unterammergau

Wetzsteinmachen hat in Unterammergau Tradition. Überall in der Umgebung von Unterammergau finden sich auch heute noch diverse Steinbrüche, in den seit Jahrhunderten Stein abgebaut wurde.

Bis in die 1960er Jahre verdiente sich der letzte Wetzsteinmacher in Unterammergau – der Schneiderla Toni – seinen Lebensunterhalt. Dann musste er sein Handwerk aufgeben.

Im Dorfmuseum Unterammergau gibt es eine Ausstellung zum Thema „Wetzsteinherstellung“. Was läg da näher, auch den praktischen Teil den Gästen näher zu bringen und das alte Handwerk aufleben zu lassen. Eine neue Idee war geboren und wollte umgesetzt werden. 2009 entschied sich die Gemeinde Unterammergau auf Anfrage des Historischen Arbeitskreises die Mühle, die lange Jahre leer stand langsam verfiel, für 25 Jahre zu pachten.

In mühevoller Kleinarbeit mit mind. 3000 Arbeitsstunden restaurierte der Historische Arbeitskreis innerhalb von 3 Jahren die Mühle, um sie wieder in Betrieb zu nehmen.

Natürlich ging das alles nicht ohne finanzielle Unterstützung. Finanziert wurde der ehrgeizige Plan in der Hauptsache von staatl. Seite (Gemeinde 50 % , Amt für ländl. Erneuerung, Amt für Denkmalschutz,  Landkreis Garmisch-Partenkirchen) und ebenso durch private Spenden.

Wie wird also nun ein Wetzstein hergestellt?

a)      Steinabbau
Der Stein wird im naheliegenden Steinbruch abgebaut, wobei allerdings 95 % blindes Gestein und sog. Abraum sind. Lediglich 5 % des Steinabbaus ist für die Herstellung verwertbar. Welcher Stein das nun tatsächlich ist, erkennt man erst nach langer Erfahrung auf den ersten Blick.

b)      Schielen schneiden (Schielen = taugliche Steinplatte)

Diese Steinplatte wird in 4 cm breite Streifen geschnitten und stellt schlussendlich die Breite des Wetzsteines dar. Der Fachbegriff dafür lautet: Stingel

c)       Becken des Steines (becken = in Form klopfen/hauen)
wird der Stein „gebeckt“ bedeutet das, der Stein wird grob auf die richtige Länge und Form zu gehauen. Diese Arbeit war eine typische Winterarbeit, wenn es keine Feldarbeit oder andere wichtige Arbeiten zu erledigen gab. Daher kam es auch vor, dass der Stein im sog. „Kalter“ zwischengelagert wurde bis die Zeit zum Becken kam.

d)      Stelzen

Wird ein Steinabgestelzt, wird er mit Hilfe von Sand und Wasser zurecht geschliffen. Das Schleifen einer Seite dauert i.d.R. je nach Stein zwischen 8 und 10 Stunden, danach wird der Stein umgedreht und die zweite Seite geschliffen.

e)      Kliebschneider (klieben = spalten)
Der abgestelzte Stein wird nach dem Schleifen in 2 cm breite Stücke gespalten. Im Kliebschneider wurden die Steine mit Eisen und Holzstücken fixiert.

f)       Schleifen, waschen, etikettieren
Der letzte Arbeitsschritt bis zum fertigen Wetzstein war das abschleifen, waschen und etikettieren des Produkts.

Der fertige Stein besitzt eine Breite von 4 cm, eine Höhe von 2 cm und eine Länge von entweder 18 - 20 cm, 20 – 22 cm oder 22 – 24 cm.

Bereits in früheren Zeiten ging der Stein auf Reisen. Mit dem Fuhrwagen ging es nach Oberau und mit dem Floß weiter auf der Loisach, Isar und auch Donau. Sogar bis Wien und Budapest wurde der Stein per Floß verschifft, auf dem Landweg bis Sachsen und Böhmen.

Noch heute zeigen die engagierten Unterammergauer voller Stolz interessierten Besuchern die Wetzsteinherstellung. So kann man jeden zweiten Samstag im Monat von Mai bis September den heute ehrenamtlichen Wetzsteinmacher Georg Simon und Martin Hohenleitner von 13:00 - 16:00 Uhr bei der Arbeit über die Schulter schauen und sich einer Führung in der Wetzsteinmühle anschließen.