Torfstechen - altes Handwerk neu belebt

Früher wurde Torf als Heizmaterial genutzt. Auch ich verwende den getrockneten Torf bei mir zu Hause als Brennmaterial. Es ist schon sehr angenehm, wenn ich im Winter abends drei Torfstücke auf das Kaminfeuer lege und sich die Glut bis zum nächsten Morgen ohne Probleme hält.

Das Torfstechen hat Tradition – schon die Großväter stachen Torf. Das „Schau-Torfstechen“ wurde in Bad Bayersoien erneut ins Leben gerufen, zumal dies eine ideale Ergänzung zum neu angelegten Moorlehrpfad darstellt.

Mit einer Gruppe Interessierte geht es zu einem Torfgrundstück, das direkt neben dem Moorabbau-Grundstück der Gemeinde liegt, und hier erfahren Sie, wie Torf abgebaut wird. Natürlich bekommen Sie auch Informationen, wie der Torf entstanden ist, dass er bereits 10.000 – 12.000 Jahre alt ist und die Torfschicht etwa 1 mm pro Jahr wächst. Nicht selten sind Torfstücke, die die Besucher in den Händen halten mehr als 8.000 Jahre alt.

Bevor gestochen werden kann muss Tage vor dem Stechen ein Graben am Torfabbauplatz gezogen werden, denn der Torf ist mit Wasser so vollgesogen, dass ein Abbau ohne diese Entwässerungsmaßnahme nicht möglich ist. Danach wird die obere Grasnarbe auf einer Tiefe von ca. 50 cm abgetragen – sie ist zu trocken und bröselig, als dass sie als Brenntorf verwendet werden kann.

Mit einem „L“-förmigen Messer werden nun gleichmäßige Stücke von etwa 10 cm x 10cm x 30 cm Größe geschnitten und zum Trocknen ausgelegt. Der Trockenprozess läuft in etwa vier Phasen ab. Zuerst werden Blöcke in jeweils 5 Reihen mit jeweils 2 Stücken aufeinander gestapelt und etwa 4 Wochen an der frischen Luft getrocknet. Ist der Torf einmal trocken, nimmt er keine Flüssigkeit mehr auf.

Nach der Grundtrocknung können mehrere Reihen aufeinander ca. 1,5 Meter hoch geschichtet werden. Damit die Stapel nicht umfallen, dienen Stecken als Stabilisator. Insgesamt wird 3 Mal nach jeweils 5 Wochen umgeschichtet - die trockenen Stücke nach unten, die anderen nach oben. Danach sind die Torfstücke so trocken, dass ihr Gewicht nur noch etwa ein Achtel des Ursprungsgewichts ausmacht. Ein ursprünglich 2,5 kg schweres Stück wiegt nun etwa 300 g.

Beim Schau-Torfstechen ist nicht nur Zusehen angesagt, Gäste dürfen gerne auch mal selbst mit anpacken. Jeder darf mal stechen, jeder darf mal stapeln oder den Schubkarren mit den Blöcken schieben. Besonders Kindern macht es Riesenspaß, obwohl sie sich sehr schwer tun, einen Brocken auszuschneiden – selbst die Erwachsenen haben damit ihre Probleme. Es ist schon eine besondere Technik notwendig, um gute Ergebnisse mit geringerem Kraftaufwand zu erzielen.

Was wird bzw. wurde aus Torf hergestellt?

  • Früher wurden Babybetten mit ganz feinem, trockenem Torfmull ausgelegt, um den Geruch und die Feuchtigkeit zu binden
  • Einstreu für’s Vieh im Stall
  • Pferdedecken aus Torffaserwolle
  • Dämmmaterial für Häuserbau

Das Schau-Torfstechen findet ab Juni regelmäßig am Haselbachweg (Fußweg ca. 1,4 km, ca. 30 min) statt und dauert etwa 1 Stunde. Die Teilnahme ist kostenlos – kleine Spende sind erwünscht