Geheimnisvolle Wasserwege im Graswangtal

Dort gluckern mitten in den Wiesen ein paar Quelltrichter und speisen zwei Bäche - die Ammerquellen.

© Ammergauer Alpen GmbH, Hanspeter Schöne

An der Grenze zum Nachbarland Österreich, am südlichen Ende des Graswangtales, begegnen sich ein paar Regentropfen. Die einen kommen von der Kreuzspitze, die anderen vom Scheinberg auf der anderen Talseite.

Großes Palaver: "Auch auf der Reise? Wo wollt Ihr denn hin?" - "Ins Schwarze Meer natürlich!" - "'Na prima, da haben wir den selben Weg!" Aber von wegen "selben Weg": Der reicht gerade mal 6 km weit bis ins Lindergrieß.

Dort gehen die Wandergesellen auf Tauchstation. Ein paar Meter unter der Erdoberfläche sickern sie durch den lockeren Schotter dahin, mit dem die letzte Eiszeit das Graswangtal aufgefüllt hat.

Sie schleichen sich unter Graswang durch und haben mittlerweile den Kontakt untereinander verloren. Ein paar von ihnen geraten zwischen Graswang und Ettaler Mühle, bei den Rambauern, wieder ans Tageslicht. Dort gluckern mitten in den Wiesen ein paar Quelltrichter und speisen zwei Bäche - die Ammerquellen.

Einer davon ist der Mühlbach. Auf ihrem Weg zur Ettaler Mühle werden einige unserer Wandergesellen unter dem Bett der Ammer durchgeschleust und gelangen erst bei der 'Marienhöhle' an der B 23 in die Ammer. Der zweite Bach, die 'kleine Ammer', bringt eine andere Gruppe in Schlangenlinien an der Falkenwand vorbei ebenfalls in die eigentliche Ammer. Mit etwas Glück können ein paar der Wandergesellen also ein Wiedersehen feiern.
Aber nicht alle. Die Mehrzahl hat sich schon im Graswangtal anders besonnen, ist tiefer in den Schotter getaucht und hat Ettaler Mühle und Ettal, sogar den Ettaler Sattel - nein, nicht links, aber über sich liegen gelassen. Erst in den Quellen des Maulenbaches bei Oberau kommt diese Gruppe wieder zum Vorschein. Von dort geht s ab in die Loisach und schließlich in die Isar.
Andererseits sind ein paar Wandergesellen von der Notkarspitze hinzu gekommen. Sie verkünden, dass sie die 'richtigen' Ammerquellen seien. Richtig - nach wenigen hundert Metern finden sie sich in einem künstlichen, geraden Flussbett, der Ammer.

Auch von diesen Gesellen ziehen jedoch einige den unterirdischen Weg zur Loisach vor. Die anderen folgen der Ammer. Und wenn sie den Ammersee passiert und die Amper erreicht haben, kommen sie eines Tages sogar in die Isar. Fröhliches Wiedersehen mit der Loisach-Gruppe also spätestens im Schwarzen Meer!
Es stellt eine horizontale Wasserscheide dar. Wasser, das in den oberen Schichten dahinsickert, speist die Ammer und fließt nach Norden.

Jenes in den tiefen Schichten fließt nach Süden und speist die Loisach. Trotz seiner hohen Jahresniederschläge fällt die Ammer den größten Teil des Jahres trocken. Das liegt an dem mächtigen Schotterkörper, der das Tal füllt.