Abgeknabbert !

Gefällte Bäume in den Ammergauer Alpen mit Nagespuren von Bibern

Weidmoos
Weidmoos - © Ammergauer Alpen GmbH, Anton Brey

Es war in den späten 1990er Jahren, als ein aufmerksamer Spaziergänger beim Kraxentragerparkplatz, an der Straße zwischen Oberammergau und Ettal, die ersten Biberanzeichen entdeckte. Am Mühlbach hatte der Nager ein paar Äste abgeschnitten. Im frischen Schnee waren seine Spuren eindeutig zu identifizieren.

Als dann der erste richtige Baum am Boden lag, mit unverkennbaren Zahnspuren, wollte man das nicht glauben. 'Dös siecht ma doch ganz deitlich: mit am Stechbeitel!' sei der Baum von einem Scherzbold umgeschnitten worden, hieß es an einem Stammtisch. In Ettal mutmaßte man sogar, das Tier sei ausgesetzt worden. An seiner Existenz gab es aber bald keinen Zweifel mehr. Es gibt sogar einen Videofilm von ihm.

Wo aber kam das Tier her? Das weiß natürlich keiner genau. Die nächste Biberkolonie gibt es am Ammersee. Von dort kann ein Junggeselle (oder eine Gesellin) die Ammer hinaufgepaddelt und sich beim Kraxentrager häuslich niedergelassen haben.

70 km Flussstrecke - das ist kein Problem für einen Biber. Und das Weidmoos bei Ettal ist ein hervorragend geeigneter Lebensraum: viel Gebüsch und hohe Stauden bieten Nahrung im Überfluss, die zahlreichen Wassergräben erleichtern ihm die Fortbewegung, und wirtschaftlichen Schaden kann er kaum anrichten. Da hätte leicht eine ganze Familie Platz.

Inzwischen haben sich weitere Biber zwischen Unter- und Oberammergau im Pulvermoos eingefunden. Es liegt nahe, dass sie denselben Weg gekommen sind wie ihr Vorgänger. Sie machen sich nun über die Bäume entlang der Ammer her.

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man sich genauer anschaut, was die so machen: Nicht nur legen sie dicke Bäume um, sondern sie graben auch tiefe Laufgräben durch die senkrechte Uferböschung, um an Land zu kommen, eindrucksvoll zu besichtigen gleich nach der Kläranlage.
 
Wie sehen die Perspektiven aus? Werden die findigen Nager in absehbarer Zeit das Ammertal unter Wasser setzen? Bricht gar eine Biberplage übers Ammertal herein??

Keine Sorge. Wenn sich die Biber dauerhaft ansiedeln sollten, dann werden sie wohl einige kleinere Wassergräben aufstauen. Das tun sie, weil sie zu Wasser besser zu Fuß sind als zu Land: Sie können schwimmend zu den Weidenbüschen gelangen, von denen sie Zweige abschneiden und die Rinde fressen oder auch zu den Wiesen, wo sie sich im Sommer von Staudengewächsen und Kräutern ernähren.

Vielleicht bauen sie an einem Seitengraben auch eine Burg aus Holzprügeln und Erde - dann werden sie den Graben aufstauen und dafür sorgen, dass der Burgeingang stets unter Wasser ist. Denn so wissen sie ihre Jungen vor Raubtieren sicher.

Dass sie aber die Ammer aufstauen, ist ziemlich unwahrscheinlich. Das ist ihnen einfach zu mühsam.