Achtung - Verwechslungsgefahr

Kolkrabe oder Steinadler ... das ist hier die Frage

Steinadler im Weidmoos
Steinadler im Weidmoos - © Ammergauer Alpen GmbH

Wenn die Jungadler ihren Horst verlassen, kann man sie mit etwas Glück bei ihren ersten Flügen beobachten und vielleicht auch hören: Mit scharfem 'Klick klick klick' betteln sie bei den Altvögeln um Nahrung. Die jungen Mäusebussarde sind etwas früher dran. 'Pieäh, pieäh' schreien sie sich fast die Seele aus dem Hals für einen Happen.
Also sollte es nicht schwer sein, Steinadler und Mäusebussard zu unterscheiden, wenn sie am Himmel kreisen. Aber leider halten beide meistens den Schnabel. Fliegt so ein Vogel dann auch noch in beträchtlicher Höhe, dann ist guter Rat teuer: Ist das nun ein Bussard in 300 oder aber ein Steinadler in 500 Meter Höhe?

Mit etwa 2 m Flügelspannweite ist ein Steinadler zwar deutlich größer als ein Mäusebussard, der es nur auf 120 cm bringt. Im grenzenlosen Blau des Himmels hat aber das menschliche Auge große Schwierigkeiten, Entfernungen richtig einzuschätzen. Wer also Adler und Bussard auseinander halten will, muss ihre Flugbilder kennen.

Beim Mäusebussard sind die Schwingen (Flügel) in Körpernähe breiter als außen. Deshalb ist die Silhouette des Mäusebussards vergleichsweise plump. Beim Steinadler dagegen ist es umgekehrt. Die äußere Schwingenhälfte ist ebenso breit oder sogar etwas breiter als die innere Hälfte. Das Flugbild wirkt schlanker. Auch streckt der kreisende Adler seine Schwingen brettförmig aus.

Junge Adler (gemeint sind Adler vor der Geschlechtsreife, die mit etwa fünf Jahren eintritt) haben deutliche weiße Abzeichen in den Schwingen, und die Schwanzwurzel ist ebenfalls weiß. Diese Abzeichen sind so etwas wie eine weiße Flagge: Die Revier besitzenden Altadler fliegen ihre Angriffe gegen Jungadler nicht so aggressiv wie gegen ausgefärbte Artgenossen, denen sie gleich mal unterstellen, dass sie ihnen das Revier und den Brutplatz streitig machen wollen. Beim Mäusebussard dagegen lassen sich Jung- und Altvögel schon im ersten Sommer nicht mehr unterscheiden.
Wer sich auf einer Bergwanderung befindet, wird oberhalb der Waldgrenze kaum einen Mäusebussard sehen. Hier ist nur der Steinadler zu Hause. Allerdings ist er nicht allein am Himmel.

Am häufigsten sind Kolkraben, kaum kleiner als der Mäusebussard und oft paarweise unterwegs. Charakteristisch ist ihr keilförmiger Schwanz. Wer besonders gut aufpasst und viel Glück hat, sieht vielleicht sogar einen Rückkehrer: den Bartgeier.

Er ist deutlich größer als ein Steinadler, sein Schwanz lang und ebenfalls keilförmig wie beim Kolkraben. Bartgeier sind im Alpenraum erfolgreich wieder angesiedelt worden, und gelegentlich kommt einer von ihnen in den Ammergauer Alpen vorbei.