Meine Hirsche, deine Hirsche ...

Hirschfütterung - Wildtierfütterung im Graswangtal
Hirschfütterung - Wildtierfütterung im Graswangtal - © Ammergauer Alpen GmbH, UO

Nicht wenige Menschen halten es für absolut notwendig, Rotwild im Winter zu füttern, um die Tiere vor dem Verhungern zu bewahren oder Waldschäden zu verhindern. Aber die Winterfütterung ist keine Erfindung unserer Tage.

Schon vor 150 Jahren, als das Wild noch aus den Bergen hinaus ziehen konnte ins schneearme Vorland, um dort zu überwintern wie seit Jahrtausenden, wurde damit begonnen, das Rotwild in die Berge zu gewöhnen.

Das Motiv dafür war in erster Linie jagdlicher Eigennutz. Denn die Tiere gerieten bei ihren Wanderungen aus den Jagdgründen der Adeligen oder der Staatsforsten, wo sie sorgsam gehegt wurden, in bäuerliche Reviere.

Mit der Hege hoher Wildbestände, die auch noch den Wald schädigten, hatte man dort nichts im Sinn, und das zuwandernde Wildbret war auch nicht zu verachten. So war die Wanderung ins Winterquartier oft eine Reise ohne Wiederkehr.

Vor 70 Jahren wurde dann im Reichsjagdgesetz die Winterfütterung des gesamten Schalenwildes sogar zur Pflicht. Dieser 'Notzeitparagraf' ist vor allem unter dem Einfluss der damals aufkommenden Trophäenjagd und der damit verbundenen Hege hoher Wildbestände entstanden. Mit Barmherzigkeit oder mit Einsichten in die Biologie der Tiere hatte er nichts zu tun, und er ging sehr zulasten des Waldes.

Fütterungen sind Krisenherde, die Wälder rings herum sind stets Wildschadensschwerpunkte.

Von dem Notzeitparagrafen profitierten auch die Rehe. Andere wilde Huftiere jedoch, etwa Gams oder gar Wildschweine (die damals noch viel seltener waren als heute), waren nie Gegenstand von Fütterungsüberlegungen.

Dabei macht das Jagdgesetz keinen Unterschied - es spricht lediglich von 'Schalenwild', und das sind alle wilden Huftiere. Rotwildjagd hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.

Wer viel Wild im Revier hat, genießt Ansehen und Prestige, und er kann auch viel schießen. Lange wurde die Abschusszuteilung danach bemessen, wie viel Wild ein Revierinhaber an seiner Fütterung stehen hatte.

Kein Wunder, dass man sich alle möglichen Tricks ausdachte, noch mehr Wild über die Jagdgrenze zu locken, sogar vom einen staatlichen Forstamt ins andere.

Bis in unsere Tage sind viele Jagdgenossenschaften (das sind die Gemeinschaften der Grundeigentümer, die eine Jagd verpachten) immer noch der Meinung, sie müssten unbedingt eine Winterfütterung in ihrem Revier haben. Dabei ist ein Jagdrevier nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Ganzjahreslebensraum des Rotwildes, und oft ist es ein gänzlich ungeeigneter Winterstandort - schattig, schneereich, hoch gelegen.

Die willkürliche Aufteilung dieses Lebensraumes in 'Fütterungsreviere' mit dem Hintergrund, die Jagd dann besser verpachten zu können, läuft der Natur des Rotwildes entgegen, und sie kann schlimme Folgen für den Wald haben.
sind Barmherzigkeit, Revieregoismus oder veraltete Gesetze keine guten Ratgeber. Ein überzeugendes Fütterungskonzept auf solider ökologischer Grundlage, frei über die Reviergrenzen hinweg und zusammen mit den Grundeigentümern entwickelt, wäre ein wichtiger Schritt, die Lage zu entschärfen.