Geschichte der Passionsspiele

1632 suchte die Pest Oberammergau heim. Pestkranke gelobten auf dem Friedhof, in jedem 10. Jahr das Leiden und Sterben Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterben sollte

© Passionsspiele Oberammergau

Die Pest und das Gelöbnis

1632 suchte die Pest Oberammergau heim, 1633 hatte fast jede Familie Tote zu beklagen. Pestkranke gelobten auf dem Friedhof, in jedem zehnten Jahr das Leiden und Sterben Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterben sollte.

Das erste Spiel

Pfingsten 1634 führten die Oberammergauer erstmals das 'Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus' auf: auf einer Bühne, die auf dem Pestfriedhof, über den Gräbern errichtet worden war.

Entwicklung von Text und Spiel

Der Text entstammte zwei Spielen, einem Passionsspiel aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und einer reformatorischen 'Tragedi' des Augsburger Meistersingers Sebastian Wild.

Im fünften Spieljahr, im Jahre 1674, wurde der Text durch Szenen des Weilheimer Passionsspiels erweitert, im sechsten Spieljahr 1680 beschloss die Gemeinde, einen zehnjährigen Turnus des Spiels zu den 'geraden Zehnerjahren'.

Im 18. Jh. fanden Ideen des Rationalismus Einzug. Der Ettaler Benediktiner Ferdinand Rosner machte aus dem Spiel eine 'Passio Nova' und zog alle Register des Barocktheaters.

Im 32. Spieljahr ersetzte der Architekt Raimund Lang die historische Bühne durch eine klare, gleichermaßen asketische wie monumentale neue Bühne und vergrößerte die Zuschauerhalle auf 5.200 Sitzplätze - sein Bruder Georg schuf erstmals ein modernes Regietheater.

Neuerungen

1990 wurde überraschend der jüngste Spielleiter aller Zeiten gewählt, der 27-jährige Bildhauer Christian Stückl. Erstmals dürfen auch verheiratete Frauen und ältere Frauen mitspielen - gerichtlich von der Oberammergauer Frauenliste vor dem Oberlandesgericht 'erstritten'.

2010 fand der zweite Teil der Spiele erstmalig am Abend statt