Maibaumaufstellen

Ob weiß-blau 'geschnürt' oder nur 'geschäpst' - der Maibaum ist mindestens so wichtig wie die Berge, das Bier und der Barock

Maibaumaufstellen in Bad Bayersoien
Maibaumaufstellen in Bad Bayersoien - © Gemeinde Bad Bayersoien

Ob weiß-blau 'geschnürt' oder nur 'geschäpst' - der Maibaum ist mindestens so wichtig wie die Berge, das Bier und der Barock. Bei einem richtig geschnürten (bemalten) Baum verläuft die weiß-blaue Spirale von unten links nach oben rechts.

Erst wird die weiße Farbe aufgetragen, dann das bayerische Blau. Dazu verbrauchen die eifrigen Maler rund 50 kg Farbe! Häufig findet man aber auch die geschäpsten (entrindeten) holzfarbenen Stangerl - im Westen des Landes ans Allgäu angrenzend, öfter auch in den kleineren Gemeinden.
Eine Haftpflichtversicherung hat der Baum auch und alle Jahre muss ein Sachverständiger den Zustand des Baumes prüfen, nach maximal 5 Jahren muss er weg. Vor das Aufstellen hat der liebe Herrgott die Waldarbeit gesetzt, um einen stattlichen Baum zu schlagen. Früher gab es allerdings Zeiten, als dieser 'Waldspaziergang' eine Art geheime Kommandosache war.

Im 17. und 18. Jh. wurde der Baum gerne 'organisiert' - eine neutrale Umschreibung dafür, dass die Dorfburschen ihn im Staatsforst klauten, was die bayerische Regierung mit einem Maibaumverbot beantwortete. Geklaut wurde natürlich weiter, nur geschickter und 1827 gab Ludwig I. den Erlass heraus, dieses 'an sich unschädliche Vergnügen' wieder zuzulassen.

'Da Wir Volksfeste lieben und Unseren treuen Untertanen mit wahrer Freude jede ehrbare Ergötzlichkeit gönnen, so wollen Wir hiermit erklären: Es sey von nun an wieder erlaubt nach uraltem Brauch am 1. Mai in jeder Gemeinde auf dem Lande einen Maibaum aufzustellen.' Man darf durchaus auch ein bayerisches Augenzwinkern herauslesen. Seine Majestät feierte selbst nun mal liebend gerne, Savoir-vivre auf Bayerisch!
Aber der König war natürlich auch weise genug, einen uralten Brauch zu tolerieren, der aus dem Dunkel der Geschichte stammt und heidnisch-keltische Wurzeln hat. Schon früh symbolisierten grüne Zweige Fruchtbarkeit.

Im 16. Jh. kamen die Ortsmaibäume auf. Damals wurde die Birke verwendet, ein symbolträchtiger Baum, der als erster aus der Winterstarre erwacht und sprießt. Man entastete und entrindete den Stamm, ließ den Wipfelbusch aber stehen und schmückte ihn mit einem Kranz. Der Brauch sollte Fruchtbarkeit heraufbeschwören, der Stamm stand für das Männliche, der Kranz für das Weibliche.
Schließlich erwachen im Frühjahr nach langer Winterstarre nicht nur die Pflanzen - sondern eben auch die Hormone. Beim Tanz um den Maibaum sollen sich oft Paare gefunden haben und wer der Angebeteten einen kleinen Maibaum vors Fenster stellt, der beweist zumindest Sinn für Tradition und Romantik. Solch eine mit Bändern geschmückte Birke oder Fichte muss die Herzensdame aber mindestens einen Monat stehen lassen. Tut sie es nicht, ist das eine üble Zurückweisung!

Ein Ritual sind die alljährlichen Versuche, den Maibaum der Nachbargemeinde zu stehlen. Geklaut werden darf aber nur ein Baum, der bereits aus dem Wald abtransportiert ist! Klappt der Diebstahl, ist eine Auslösung per Bier und Brotzeiten fällig.
Schließlich wird der lange Lulatsch mit reiner Muskelkraft aufgestellt, mit Hilfe jener langen Stangen, die man 'Schwaiberl' nennt, weil sie aussehen wie Schwalbenschwänze. Andernorts kennt man auch die Bezeichnung 'Goaßn' - wegen der Ähnlichkeit mit den Hörnern des Geißbocks. Dieses Hochstemmen des Maibaums ist Schwerstarbeit - der Baum wiegt 1,5 Tonnen! Das erste Drittel und das letzte, wenn der Baum schon fast in der Senkrechten steht, geht gut. Aber das mittlere Drittel, das hat es in sich!