Die Ammergauer Alpen sind reich an historischen Orten und Gebäuden, die Geschichte und Geschichten erzählen. Hinzu kommt ein großartiges kulturelles Programm, dessen Bandbreite von jahrhundertealten Traditionsveranstaltungen bis zu professionellen Inszenierungen im Passionstheater reicht. Erlebe die Highlights der Kultur während deines Bayern-Urlaubs und lasse die verschiedenen Geschichten auf dich wirken.
Brauchtum & Tradition
Traditionelles Handwerk
in den Ammergauer Alpen
Verschiedene Handwerke haben in den Ammergauer Alpen eine lange und besondere Tradition: Oberammergauer Holzschnitzereien wurden, wie die Unterammergauer Wetzsteine, bereits vor Jahrhunderten international vertrieben. Lüftlmalereien an den Häuserfassaden waren damals Statussymbol und zieren die Region bis heute. Und die Holzkohlegewinnung war für den Ort so zentral, sie sich sogar im Ortsnamen Bad Kohlgrubs wiederfindet.
Weiteres Handwerk
Torf wird heute nur noch in begrenzten Mengen für die gesundheitsfördernden Moorbäder abgebaut. Früher hingegen wurde Torf als Brennmaterial, als Dämmmaterial, zum Auslegen von Babybetten (trockener Torfmull bindet Feuchtigkeit und Geruch) oder als Einstreu im Stall verwendet.
Da die Glashütte in Grafenaschau einen enormen Holzverbrauch hatte und daher das gesamte Hörnle weitestgehend unbewaldet war, wurde der Torf als Brennmaterial umso bedeutsamer. Der Torfabbau zu diesen Zwecken endete in den 1960er Jahren.
Bereits Tage vor dem Torfstechen musste an der Abbaustelle ein Entwässerungsgraben gezogen werden. Beim Abbau selbst wurden mit L-förmigen Messern gleichmäßige Stücke von etwa 10 cm x 10cm x 30 cm Größe geschnitten und zum Trocknen ausgelegt und gestapelt. Alle 5 Wochen wurden die Stücke umgestapelt, bis sie nach circa 4 Monaten fertig getrocknet waren. Da Torf normalerweise so stark mit Wasser vollgesaugt ist, beträgt sein Gewicht nach der Trocknung nur noch etwa ein Achtel des ursprünglichen Gewichts.
Wieso heißt Bad Kohlgrub Bad Kohlgrub? Seit gut 150 Jahren ist der Ort Moorheilbad, was den Zusatz “Bad” erklärt. Aber "Kohlgrub"?
In dem Ort gibt es eine lange Tradition der Herstellung von Holzkohle. Die Köhlerei ist ein altes Handwerk, das in den Ammergauer Alpen schon seit dem Mittelalter ausgeübt wird. Es war damals kein besonders angesehener Beruf. Staub, Ruß und Hitze (bis zu 400 Grad Celsius) machten den Köhlerberuf im Wahrsten Sinne zu einem “schmutzigen”.
Die älteste Technik, um Holzkohle zu gewinnen, sind Meiler. Bei einem Kohlenmeiler wird Holz zu Holzkohle umgewandelt, indem man es unter Sauerstoffmangel erhitzt. Dazu werden Holzscheite kegelförmig aufgeschichtet und anschließend mit Erde, Lehm oder Grassoden möglichst luftdicht abgedeckt. Im Inneren des Meilers wird das Holz entzündet, sodass es über mehrere Tage langsam schwelt, ohne vollständig zu verbrennen. Während dieses Prozesses entweichen Wasser und flüchtige Gase, zurück bleibt der kohlenstoffreiche feste Rest: Die Holzkohle.
Die Köhlerei ist schwierig und erfordert viel Erfahrung. Der Meiler muss ständig bewacht werden, weil schon kleine Risse in der Abdeckung oder zu viel Sauerstoff dazu führen können, dass das Holz offen zu brennen beginnt und zu Asche verbrennt. Umgekehrt kann ein Sauerstoffmangel den Prozess abbrechen. Der richtige Zeitpunkt zum Löschen des Meilers ist besonders kritisch: Wird er zu früh geschlossen, ist das Holz nicht vollständig verkohlt; wartet man zu lange, verbrennt die Holzkohle und wird unbrauchbar.
Die Holztrift ist eine Form des Holztransports, die über Jahrhunderte hinweg eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielte. Unter Trift versteht man den Transport von Holzscheiten und einzelnen Stämmen, die nach dem Einschlag in Bäche und Flüsse eingebracht wurden und mit der Strömung getragen wurden. Davon zu unterscheiden ist die Flößerei, bei der Stämme zu größeren Einheiten zusammengebunden wurden, um sie auf ruhigeren Gewässern weiterzutransportieren.
Das Holz aus den Wäldern der Ammergauer Alpen wurde in großem Umfang in den Münchner Raum verkauft, wo der Bedarf an Brenn- und Bauholz hoch war. Für viele bäuerliche Familien stellte der Holzverkauf eine wichtige Erwerbsquelle, besonders im Winter, dar. In dieser Zeit ruhte die Feldarbeit, während Holz geschlagen, gespalten und für die Trift vorbereitet werden konnte. Die Ammer bot dafür einen natürlichen Transportweg, der Wege und Fuhrkosten ersparte.
Ein zentraler Abschnitt der Trift war die Scheibum, der enge Ammerdurchbruch bei Saulgrub. Hier war die Trift technisch besonders aufwendig organisiert. Oberhalb der Engstelle wurde das Wasser mithilfe von Wehren aufgestaut, und die Stämme sammelten sich an einem Rechen, der sie zurückhielt. Erst wenn ausreichend Wasser und Holz vorhanden war, wurde das Wehr geöffnet. Der entstehende Triftschwall sorgte für eine starke Strömung, die notwendig war, um das Holz durch die enge, felsige Schlucht zu transportieren. Oft wartete man gezielt auf Hochwasser, da nur dann genug Wassermenge und Kraft vorhanden waren, um größere Holzmengen sicher weiterzuführen. Ohne diesen Schwall hätten sich die Stämme verkeilt oder wären liegen geblieben.
Unterhalb des Ammertals änderten sich die Bedingungen. In Weilheim wurde das Holz am Trifthof gesammelt. Erst dort begann die eigentliche Flößerei: Die Stämme wurden sortiert und zu Flößen zusammengebunden. Ein früheres Binden war im oberen Ammertal nicht möglich, da der Fluss dort zu schmal, zu schnell und zu unruhig war. Auf dem Ammersee hingegen war lose Trift nicht mehr praktikabel, weshalb die Bündelung Voraussetzung für den Weitertransport über Amper und Isar war.
Mit dem Ausbau von Straßen und Eisenbahn im 19. Jahrhundert verlor die Holztrift zunehmend an Bedeutung. Der Transport auf dem Landweg war schneller, unabhängiger von Wasserständen und besser planbar. Die Ammergaubahn wurde zunächst überwiegend für den Güterverkehr genutzt, am Bahnhof Altenau entstanden Holzlager und Umschlagplätze. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es noch einmal zu einer kurzen Wiederaufnahme der Trift und des wassergebundenen Holztransports, bedingt durch Materialknappheit und zerstörte Verkehrswege. Diese Phase markierte zugleich das endgültige Ende der Holztrift im Ammergau.
Passionsspiele Oberammergau
Die Passionsspiele in Oberammergau beruhen auf einem Gelöbnis, das, abgegeben in Zeiten höchster Not, kontinuierlich alle 10 Jahre auf der Freilicht-Rundbühne des Passionstheaters erfüllt wird. Seit über 350 Jahren sind die Oberammergauer mit Engagement und Stolz dabei, ihr Versprechen, das Spiel von Leid und Sterben Christi aufzuführen, einzulösen. Nachdem die Oberammergauer 1633 das Passionsgelübde abgegeben hatten, wurden die Passionsspiele Oberammergau 1634 erstmalig aufgeführt. Über 40 weitere Spielzeiten folgten kontinuierlich.
Der Geburtstag König Ludwigs
Oberammergau: Die König-Ludwig-Feuer sind traditionelle Höhenfeuer, die jährlich am 24. August, dem Vorabend des Geburtstages, auf den Gipfeln rund um Oberammergau entzündet werden. Am Hausberg Kofel wird sogar eine brennende Königskrone errichtet.
Schloss Linderhof: Am Abend des 25. August wird mit Musik und stimmungsvoller Beleuchtung im Lieblingsschloss des Märchenkönigs sowie im Schlosspark gefeiert.
Leonhardiritt
Der Leonhardiritt ist eine Tradition zu Ehren des heiligen Leonhard, des Schutzpatrons der Tiere und Bauern. Der Brauch entstand aus der Bitte um Schutz für Pferde und gutes Gedeihen der Landwirtschaft.
Jährlich ziehen am letzten Oktobersonntag festlich geschmückte Reiter und Gespanne in einer feierlichen Prozession von Unterammergau zur Pferdesegnung an der Kappelkirche.
Sternrundgang & Sternsingen
Jedes Jahr am Silvesterabend ziehen Einheimische wie Gäste, begleitet von Sängern und Musikanten, mit einem großen beleuchteten Stern durch Oberammergau und Ettal.
Beim Sternsingen klingt das Jahr stimmungsvoll und beschaulich aus.