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Der Ammergauer Alpen Blog

Tiere des Jahres 2026 – Besondere Botschafter der Natur im Naturpark Ammergauer Alpen

Illustration von Rothirsch, Warzenbeißer, Abendsegler, Wiesenknopf-Ameisenbläuling und Alpensalamander. Links davon ein Pokal mit der Aufschrift "Tiere des Jahres 2026"
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Rothirsch mit seinen wichtigsten Merkmalen
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Alpensalamander mit seinen wichtigsten Eigenschaften und Merkmalen
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Merkmale und Eigenschaften des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling
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Illustrierter Warzenbeißer mit seinen wichtigsten Merkmalen als Steckbrief
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Jedes Jahr küren Naturschutzorganisationen wie der NABU ausgewählte Arten zu den „Tieren des Jahres“. Ziel dieser Auszeichnungen ist es, auf bedrohte Tierarten aufmerksam zu machen und gleichzeitig ihre Lebensräume in den Fokus zu rücken. Denn der Schutz einzelner Arten ist immer auch der Schutz ganzer Ökosysteme.

Im Jahr 2026 stehen Tiere im Mittelpunkt, die ganz unterschiedliche Lebensräume repräsentieren – vom Bergwald über artenreiche Wiesen bis hin zum nächtlichen Luftraum. Besonders erfreulich: Gleich mehrere der ausgezeichneten Arten sind im Naturpark Ammergauer Alpen heimisch. Sie zeigen eindrucksvoll, wie wertvoll und vielfältig unsere Landschaft ist. Vier dieser „Tiere des Jahres 2026“ möchten wir hier vorstellen. 

Rothirsch – der König der Wälder 

Der Rothirsch (Cervus elaphus) wurde 2026 zum Wildtier des Jahres ernannt. Als größtes heimisches Landsäugetier Europas steht er sinnbildlich für naturnahe, großflächige Waldlandschaften. Besonders bekannt ist der Rothirsch für die herbstliche Brunft, wenn die Hirsche mit lautem Röhren ihre Rivalen beeindrucken und um die Gunst der Weibchen werben. 

Im Naturpark Ammergauer Alpen findet das Rotwild geeignete Lebensräume in weitläufigen Bergwäldern, ruhigen Rückzugsgebieten und an strukturreichen Waldrändern. Während der Brunft im Herbst sind die eindrucksvollen Rufe der Hirsche besonders gut im Graswangtal und im Ammertal zu hören. Eine gute Vernetzung der Lebensräume ist entscheidend, damit sich die Tiere zwischen Sommer- und Wintereinständen bewegen können. Im Winter bietet die Rotwildfütterung in Graswang die Möglichkeit, die Tiere aus nächster Nähe zu sehen ohne sie zu stören, sowie einen wichtigen Anlaufpunkt, der zugleich hilft, die Tiere aus sensiblen Waldverjüngungsflächen herauszuhalten. 

Die Termine der Fütterung sind im Veranstaltungskalender zu finden. Zu den Terminen.

Alpensalamander – ein Spezialist der Bergwelt 

Der Alpensalamander (Salamandra atra) ist der Lurch des Jahres 2026 und ein echtes Symbol der Alpen. Seine tiefschwarze Färbung, der gedrungene Körperbau und seine besondere Fortpflanzung machen ihn einzigartig: Anders als die meisten Amphibien bringt der Alpensalamander vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt. 

Im Naturpark Ammergauer Alpen lebt er in kühlen, feuchten Bergwäldern, auf alpinen Wiesen und in steinigem Gelände in Höhenlagen zwischen etwa 800 und 2.000 Metern über NN – in Bayern ist er ausschließlich in diesem Höhenbereich zu finden. Die Tiere sind vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden bei hoher Luftfeuchtigkeit aktiv. Nach starken Regenfällen, besonders wenn zuvor längere Trockenheit herrschte, kann man sie mit etwas Glück sogar tagsüber beobachten. Wer an solchen regnerischen Tagen aufmerksam unterwegs ist, hat gute Chancen, diesem besonderen Alpenbewohner zu begegnen. Der Alpensalamander reagiert sehr sensibel auf Trockenheit und Klimaveränderungen und ist damit ein wichtiger Indikator für intakte, feuchte Lebensräume im Alpenraum. 

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling – ein Falter mit komplexem Leben 

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) wurde zum Schmetterling des Jahres 2026 gewählt. Dieser eher unscheinbare Falter ist ein wahres Wunder der Natur, denn sein Lebenszyklus ist eng an zwei weitere Arten gebunden: den Großen Wiesenknopf als Futterpflanze sowie bestimmte Knotenameisen, in deren Nestern sich die Raupen weiterentwickeln. 

Im Naturpark Ammergauer Alpen kommt der Wiesenknopf-Ameisenbläuling vor allem auf artenreichen Feucht- und Streuwiesen sowie an den Wiesmahdhängen vor. Besonders gut lassen sich die Falter entlang des Wiesmahdwegs beobachten. Dabei gilt: am besten auf dem Weg bleiben und vom Wegesrand aus Ausschau halten – die Tiere sind oft gut zu sehen, ohne die sensiblen Wiesen zu betreten. Ein hilfreicher Tipp lautet: Augen auf nach dem Großen Wiesenknopf, denn wo diese Pflanze wächst, ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling häufig nicht weit. Schon kleine Veränderungen wie zu frühes Mähen oder Entwässerung können diese empfindliche Balance stören und ganze Populationen gefährden. 

Tipp: In der Tourist-Info in Oberammergau kann ein Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling mit dem Mikroskop begutachtet werden.

Warzenbeißer – Stimme der artenreichen Wiesen 

Und nun zum für uns wichtigsten Preisträger: Unser Maskottchen „Warzi“, der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), trägt 2026 den Titel Insekt des Jahres. Die auffällige, große Laubheuschrecke ist an warmen Sommertagen durch ihren lauten, schnarrenden Gesang gut zu hören. Ihren ungewöhnlichen Namen verdankt sie einem alten Volksglauben, nach dem ihr Biss gegen Warzen helfen sollte. 

Im Naturpark Ammergauer Alpen lebt der Warzenbeißer – ähnlich wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling – in artenreichen Wiesmahdhängen und auf extensiv genutzten Almweiden. Auch er lässt sich mit Geduld häufig vom Wegesrand aus beobachten. Der Warzenbeißer mag es, wenn Wiesen nicht oder nur selten gemäht werden, und braucht eine abwechslungsreiche Struktur: kurzes und langes Gras, offene Bodenstellen für die Eiablage sowie ausreichend Wärme. Er ernährt sich sowohl pflanzlich als auch räuberisch von kleineren Insekten. In vielen Regionen ist er durch intensive landwirtschaftliche Nutzung gefährdet. Im Naturpark Ammergauer Alpen hat er noch vergleichsweise gute Bedingungen, da die Landwirte die artenreichen Wiesen sorgfältig und nur wenig intensiv bewirtschaften. 

Tipp: Auch "Warzi" gibt es unter dem Mikroskop in der Tourist-Information Oberammergau zu bestaunen. Für die Kids gibt es außerdem ein “Warzi Kuscheltier” in unserem Online-Shop und den Tourist-Informationen zu kaufen. 

Gemeinsam Verantwortung übernehmen 

Die „Tiere des Jahres 2026“ stehen stellvertretend für die Vielfalt der Natur im Naturpark Ammergauer Alpen – aber auch für ihre Verletzlichkeit. Ob Bergwald, Wiese oder nächtlicher Himmel: Nur wenn wir Lebensräume erhalten, vernetzen und schonend nutzen, können diese Arten langfristig bei uns bestehen. 

Der Naturpark Ammergauer Alpen e.V.? leistet dazu einen wichtigen Beitrag – gemeinsam mit Landnutzern, Gemeinden und allen, die unsere einzigartige Landschaft wertschätzen und schützen. 

Warum diese Arten zählen 

Jede dieser Arten steht für besondere Herausforderungen im Naturschutz: vom Schutz großer, zusammenhängender Waldgebiete über die Pflege artenreicher Feucht- und Mähwiesen bis hin zur Erhaltung naturnaher Strukturen für nachtaktive Arten. Ihre Auszeichnungen als „Tiere des Jahres“ helfen dabei, die Aufmerksamkeit auf diese oft stillen, aber ökologisch bedeutenden Bewohner unserer Landschaft zu lenken – und sie erinnern uns daran, wie wichtig unsere Arbeit im Naturpark Ammergauer Alpen ist. 

Weitere Infos zur Natur des Jahres gibt es auf der Website des NABU