Die Passionsspiele Oberammergau sind ein Laienschauspiel, das die Einwohner Oberammergaus in Bayern seit 1634 alle zehn Jahre aufführen. 2030 finden die 43. Passionsspiele statt, mit rund 100 Vorstellungen zwischen Mai und Oktober. Bei der letzten Aufführung 2022 wirkten knapp 2.000 Einwohner mit; das Passionstheater bietet bis zu 4.500 Zuschauern Platz pro Vorstellung.
Die Passionsspiele in Oberammergau haben ihren Ursprung im Jahr 1634: Nachdem sie monatelang unter der Pest gelitten hatten, legten die Bewohner von Oberammergau ein Gelübde ab, alle 10 Jahre das Drama über das Leiden, den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus zu inszenieren, sollte niemand mehr an der Pest sterben. Nachdem das Dorf von weiteren Todesfällen durch die Pest verschont blieb, hielten die Oberammergauer ihr Versprechen und führten das Passionsspiel auf. Dieser 10-Jahres-Rhythmus wurde bis heute beibehalten, unterbrochen lediglich in Kriegs- oder Pandemie-Jahren. Die nächsten Passionsspiele finden 2030 statt.
Das Passionsspiel setzt mit Jesu Ankunft in Jerusalem ein, verfolgt die Passionsgeschichte, zeigt das letzte Abendmahl, leitet über zur Kreuzigung und findet seinen Höhepunkt in der Auferstehung. Das Stück besteht aus 12 Abschnitten. Zu Beginn jedes Abschnitts tritt ein Chor auf und führt ein „lebendes Bild“ vor, indem Darsteller Szenen aus der Bibel nachstellen. Diese Szenen sind kontemplative Interpretationen, die mit Musik und Gesang vom Orchester und Chor unterstützt werden und Verbindungen zum Alten Testament herstellen.
Das Passionsspiel zeigt die letzten Momente im Leben von Jesus, aber es legt Wert auf das gesamte Evangelium, vor allem auf Jesu Lehren und sein Bild von den Menschen. Im Mittelpunkt steht seine Botschaft der radikalen Reue und seine Zuwendung zu jedem Individuum. Er trat in einem von Rom dominierten Israel auf, in einer Zeit großer sozialer Unterschiede, Unterdrückung und Ausbeutung. Jede Form des Widerstands wurde schnell von Pilatus unterdrückt. Das Volk wünschte sich eine Befreiung von Rom und erwartete den Messias. In dieser Zeit betonte Jesus die Notwendigkeit der universellen Liebe und eines radikalen Wandels, indem man Hass und Gewalt hinter sich lässt.
Das Stück betont Jesu starke Bindung an seine jüdischen Wurzeln. Er richtete sich als gläubiger Jude an die Priester. Er rezitierte das „Sch’ma Israel“, das besagt: „Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist der einzige Gott!“ und kritisierte die Priester, die sich mehr auf religiöse Rituale als auf Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glauben konzentrierten.
Für die Passionsspiele in Oberammergau werden die Hauptdarsteller in der Regel etwa 2 Jahre vor der eigentlichen Aufführung bekannt gegeben. Dies gibt den Darstellern ausreichend Zeit, sich auf ihre Rollen vorzubereiten, da die Aufführung und ihre Vorbereitung einen erheblichen Zeitaufwand darstellen. Es ist nicht nur eine Theateraufführung, sondern auch ein großes Gemeinschaftsprojekt, das sowohl eine intensive Vorbereitung als auch höchstes Engagement aller Beteiligten erfordert. Nach der Bekanntgabe der Hauptdarsteller beginnen außerdem die Proben und der Bühnenbau. Bei allen Schauspielern handelt es sich um Einwohner Oberammergaus.
Bei den Passionsspielen in Oberammergau wird die Spielleitung etwa 5 Jahre vor der Aufführung ausgewählt und bekannt gegeben. Da die Passionsspiele nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine tiefe spirituelle und traditionelle Bedeutung für die Gemeinde haben, ist die Auswahl der Spielleitung von großer Bedeutung und erfordert eine ausgiebige Vorbereitungszeit. Nach ihrer Ernennung beginnt die Spielleitung mit der Konzeption des Stücks, der Auswahl des Teams und der Planung der Proben. Seit den Spielen 1990 ist Christian Stückl Spielleiter.
Die Musik bei den Passionsspielen Oberammergau basiert in großen Teilen auf den Kompositionen von Rochus Dedler (1779-1822). Er war ein in Oberammergau geborener Lehrer und Organist. Seine Komposition für die Passionsspiele wurde erstmals 1820 aufgeführt und bildet seitdem, trotz einiger Anpassungen und Änderungen im Laufe der Jahre, die musikalische Basis für das Spiel.
Markus Zwink arrangierte in seinen drei Spielzeiten als musikalischer Leiter der Passionsspiele die Musik Rochus Dedlers neu und setzte eigene Akzente. So vertonte er beispielsweise das jüdische Glaubensbekenntnis, das Schma Israel, und rückte somit in einer gemeinsam mit dem Spielleiter Christian Stückl geschaffenen Szene die jüdische Identität Jesu in den Vordergrund.
Pro Aufführung wirken etwa 120 Oberammergauer im Orchestergraben und im Chor mit und machen die Passionsspiele zu einem unvergesslichen und tiefergreifenden Erlebnis. Hier kannst du in die Schlussszene der Passionsspiele 2022 reinhören: Chor der Passionsspiele Oberammergau
Während die erste Aufführung 1634 auf einem Bühnenpodium am Friedhof stattfand, entwickelte sich die Passionsspiele über die Jahrhunderte kontinuierlich weiter. Sie wurden immer populärer und zogen Zuschauer nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa an. Mit der steigenden Popularität wurde der Ruf nach einem festen Spielort lauter. So wurde das heutige Passionstheater zu den Passionsspielen 1900 erbaut, um der wachsenden Zuschauerzahl gerecht zu werden. Es bietet mit seiner halboffenen Bühne Platz für Hunderte von Schauspielern und etwa 4500 Zuschauer.
Um Schauspieler und Orchester besser vor Wind und Wetter zu schützen, bekam das Passionstheater zu den Spielen 2010 ein mobiles Dach, das jedoch nach hinten weiterhin offen steht. So wurde die Bühne geschützt, ohne den traditionellen Freilichtbühnencharakter des Theaters zu stören. Bei stabiler Wetterlage kann das Dach auf großen Schienen weggefahren werden und ist somit aus dem Zuschauerraum nicht mehr sichtbar.
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Seit 2014 sind die Passionsspiele Oberammergau als immaterielles Kulturerbe im Verzeichnis der deutschen UNESCO Kommission gelistet. Hervorgehoben wird dabei, dass durch stetige Arbeit an Text, Bühne, Requisiten, Musik und schauspielerischer Darstellung die Tradition über die Jahrhunderte hinweg lebendig geblieben sei. Herausragende Kennzeichen der Passionsspiele seien etwa die Verbindung von Traditionstreue und Offenheit für die Gegenwart, die durch den Dialog der Generationen, Glaubensrichtungen, Vertretern der Orthodoxie und Moderne ermöglicht werde. Aus den Oberammergauer Passionsspielen sei so ein völkerverbindendes Ereignis geworden.
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Um kurzfristige Ausfälle kompensieren zu können und eine Überbelastung zu vereiden, wird jede der etwa 20 Hauptrollen doppelt vergeben. Dabei gibt es keinen Hauptdarsteller und dessen Vertretung, sondern die beiden Darsteller sind gleichberechtigt.
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Ungewollte Verschiebung: Es war eigentlich alles bereit, doch die Covid-Pandemie zwang die Gemeinde im Jahr 2020 zu einer Verschiebung der Passionsspiele um 2 Jahre. Die Verschiebung brachte so einige Herausforderungen mit sich: Tickets wurden umgetauscht und erstattet, manche Darsteller fielen aus privaten Gründen weg, andere kamen hinzu. Zahlreiche Kostüme mussten angepasst werden, beispielsweise weil Kinder aus ihrem Kostüm herausgewachsen waren. Durch enge Zusammenarbeit aller Beteiligter wurde es aber geschafft: Etwa 400.000 Gäste sahen in über 100 Aufführungen ein tief ergreifendes Passionsspiel. Knapp 2000 Spielberechtigte nahmen ihr Spielrecht wahr.
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Über beinahe 4 Jahrhunderte hinweg haben sich viele Menschen in besonderer Weise um die Passionsspiele bemüht. Wir stellen hier die Wichtgsten in Kurzform vor:
Pater Ferdinand Rosner (1709 - 1778)
Der Ettaler Benediktinerpater schrieb ein neues Passionsspiel, die “Passio Nova”, ein geistliches Barocktheater. Er führte die lebenden Bilder ein, welche bis heute ein zentrales Element der Passionsspiele in Oberammergau darstellen.Pater Othmar Weiß (1770 - 1843)
Zur Säkularisation vor mehr als 200 Jahren wurden Passionsspiele in Bayern verboten. Die meisten der damals existierenden Spiele fanden damit ihr endgültiges Ende. Pater Othmar Weiß aus dem Benediktinerkloster Ettal verfasste allerdings für die Passionsspiele Oberammergau einen neuen Text, mit einem neuen Fokus. Ein zentrales Motiv stellte die Versöhnung dar, also kein exklusiv christliches Thema. Dafür erhielt Oberammergau wieder die Spielerlaubnis. Pater Othmar Weiß hatte also einen wesentlichen Anteil daran, dass die Passionsspiele in Oberammergau diese politisch schwierige Zeit überlebten.Rochus Dedler (1779 - 1823)
Rochus Dedler komponierte für die neue Passion von Othmar Weiß 1810 die Bühnenmusik. Die Passionsmusik aus der Zeit vor Dedler ist leider nicht erhalten. Der Großteil der noch heute verwendeten Musik stammt aus der Feder Rochus Dedlers.Joseph Daisenberger (1799 - 1883)
Der Oberammergauer Pfarrer überarbeitete den Text von Othmar Weiß. Seine Version sollte bis zur Übernahme der Spielleitung duch Christian Stückl 130 Jahre lang beinahe unverändert gespielt werden. Seine Inszenierung prägte die Passionsspiele nachhaltig: Er rückte zum Einen die christliche Heilsbotschaft in den Mittelpunkt. Kennzeichen seiner Texte war zum Anderen aber auch ein tiefgreifender Antisemitismus, welcher sich in den Passionsspielen noch weit nach Ende der NS-Herrschaft ausdrückte.Eugen Papst (1886 - 1956)
Eugen Papst überarbeitete nach dem 2. Weltkrieg die Musik Dedlers.
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Bekanntermaßen dürfen bei den Passionsspielen nur Oberammergauer teilnehmen. Dies gilt allerdings nicht nur für die Schauspieler, sondern unter anderem auch für Chor und Orchester, was von Zuschauern (bzw. Zuhörern) wegen der hohen musikalischen Qualität oftmals mit Unglauben aufgenommen wird. Möglich wird dies durch konsequente Kultur- und Talentförderung. Die Vorbereitungen für die Passionsspiele beginnen nicht erst mit Probenbeginn im Jahr vor der Passion, sondern finden vielmehr kontinuierlich statt. Kinder und Jugendliche werden von der Gemeinde Oberammergau in ihrer musikalischen Ausbildung stark gefördert.
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„Die Passion“ ist ein Ausdruck, den die Oberammergauer unter sich nicht verwenden würden. In Oberammergau wird immer von „dem Passion“ gesprochen. Diese Form stammt aus einer Zeit, in der es noch keine festgeschriebene, einheitliche deutsche Grammatik gab und Dialekte ganz selbstverständlich ihre eigenen Artikel verwendeten. Als die Oberammergauer Passionsspiele im 17. Jahrhundert entstanden, war der bairische Sprachgebrauch maßgeblich. Noch bevor starre grammatikalische Normen entstanden. Der ursprünglich dialektale Artikelgebrauch wurde zu einer festen, identitätsstiftenden Bezeichnung, der bis heute bewusst beibehalten wird.
In den Nachbarorten wird übrigens der grammatikalisch korrekte Artikel verwendet.
Die Passionsspiele 2030 sind ein Ereignis, für das viele Gäste frühzeitig planen. Gruppen- und Pilgerreisen werden häufig schon Jahre im Voraus organisiert. Doch auch außerhalb der Passionsspiele lohnt sich ein Aufenthalt in Oberammergau: Das Passionstheater kann ganzjährig besichtigt werden. Im Sommer finden dort Konzerte und Aufführungen statt.
Ob Gasthof, Ferienwohnung oder Hotel. In Oberammergau und den Naturparkgemeinden findest du die passende Unterkunft.
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28x Hotel
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1x Campingplatz
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21x Bauernhof
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11x Gasthof
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285x Ferienwohnung / Appartment
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15x Ferienhaus
Die nächsten Passionsspiele Oberammergau finden 2030 statt. Geplant sind etwa 100 Vorstellungen zwischen 18. Mai und 06. Oktober 2030. Es werden die 43. Passionsspiele sein, 396 Jahre nach dem ersten Spiel.
Der Ticketverkauf für die Passionsspiele 2030 hat noch nicht begonnen. Der Verkauf der Einzeltickets und der Arrangements wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2028 starten. Ab Frühjahr 2028 können Sie Ticket mit Hotelarrangement kaufen und ab Herbst 2028 sind Einzeltickets für Aufführungen erhältlich. Sobald es dazu weitere Neuigkeiten gibt, sind sie hier oder auf der offiziellen Website der Passionsspiele Oberammergau zu finden.
Bei Fragen hilft Dir auch die Tourist-Information weiter.
Die Vorstellung der Passionsspiele Oberammergau dauert etwa fünf Stunden. Sie ist unterbrochen von einer mehrstündigen Pause, die zur Stärkung in den Oberammergauer Restaurants, zum Einkaufen oder für einen Spaziergang genutzt werden kann.
Die Planung sieht in etwa folgende Spielzeiten vor:
Teil 1: ca. 14:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Teil 2: ca. 20:00 Uhr bis ca. 22:30 Uhr
Montags und Mittwochs finden keine Vorstellungen statt.
Geplant sind folgende Ticketkategorien für die Passionsspiele Oberammergau:
TK 1A: 270 Euro
TK 1: 235 Euro
TK 2: 195 Euro
TK 3: 155 Euro
TK 4: 115 Euro
TK 5: 80 Euro
TK 6: 40 Euro
Rollstuhlplatz: 105 Euro
jeweils zzgl. 12 % Vorverkaufsgebühr.
50% Ermäßigung auf Tickets erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende, junge Erwachsene bis 27 Jahre sowie Menschen mit Behinderung (ab GdB 70%). Ein entsprechender Nachweis ist erforderlich.
Es stehen Arrangements mit einer oder zwei Übernachtungen in verschiedenen Hotelkategorien und mit unterschiedlichen Ticketkategorien zur Auswahl.
1-Nacht-Arrangement
- 1x Übernachtung im Doppelzimmer inkl. Frühstück
- Unterbringung in 2-5-Sterne Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen
- 1x Eintrittskarte zu den Passionsspielen in der gebuchten Kategorie
- 1x Eintrittskarte für den Besuch des Museums in Oberammergau
- 1x 3-Gänge-Menü in der ca. 3-Stündigen Pause inkl. Getränkepaket mit ausgewählten Getränken
- 1x Textbuch (Ausgabe zur Vorstellung)
- Nutzung der Ortsbusse
- Tourismussteuer
Preis: ab 419,- € pro Person
Bei einem 2-Nächte-Arrangement findet die Veranstaltung am Tag nach Ihrer Ankunft statt. So ergibt sich die Möglichkeit, Oberammergau und die Region kennenzulernen.
2-Nacht-Arrangement
- 2x Übernachtung im Doppelzimmer inkl. Frühstück
- Unterbringung in 2-5-Sterne Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen
- 1x Eintrittskarte zu den Passionsspielen in der gebuchten Kategorie
- 1x Eintrittskarte für den Besuch des Museums in Oberammergau
- 1x Abendessen am Anreisetag
- 1x 3-Gänge-Menü in der ca. 3-Stündigen Pause inkl. Getränkepaket mit ausgewählten Getränken
- 1x Textbuch (Ausgabe zur Vorstellung)
- Nutzung der Ortsbusse
- Tourismussteuer
Preis: ab 624,- € pro Person
Ja, es gibt bereits einen Flyer in deutscher und englischer Sprache mit Informationen zu den Passionsspielen 2030:
Christian Stückl wird 2030 zum 5. Mal die Regie der Passionsspiele Oberammergau übernehmen.
Begib dich auf eine einzigartige Pilgerreise durch Oberammergau und entdecke die Orte, die eng mit dem berühmten Passionsspiel und der biblischen Passionsgeschichte verbunden sind. Mit dieser App als dein persönlicher Führer wirst du durch das Dorf geleitet und erhältst an jeder Station informative Hintergründe und tiefgründige spirituelle Impulse.